Jena: Thüringer entwickelt Turbo für Datenübertragung im Internet

Ostthüringer Zeitung 13. September 2018

Joachim Becker
Joachim Becker von der DAKO EDV-Ingenieur- und Systemhaus GmbH steht auf der Terrasse seines Jenaer Firmensitzes.
Mit der Datenübertragung Orasis wagt der umtriebige Seniorchef jetzt einen Neustart als IT-Unternehmer.
Foto: Hanno Müller


Mit einer neuen Technologie, die Daten bis zu 20 Mal schneller als bisher in Netzwerken übertragen kann, will der Dako-Seniorchef Joachim Becker aus Jena die Branchenriesen angreifen.

Joachim Becker ist sich sicher: Orasi macht dem Internet Beine. „Damit wird auch in langsamen Netzen der schnelle, ständig verfügbare und absolut sichere Austausch von Daten möglich“, versichert der Seniorchef der Jenaer EDV-Schmiede Dako.
Gewöhnlich werden Daten im weltweiten Netz mittels Internetprotokollen wie TCP/IP oder DHCP übermittelt. „Ständig wechselnden IP-Adressen sowie weite und unkontrollierbare Wege durch die globale Netzstruktur bremsen die Übertragungen aus“, sagt Becker.
Die Orasi-Technologie komme ohne TCP/IP oder DHCP aus. Sender und Empfänger identifizieren sich über die für jedes Gerät einzigartige Gerätenummer, die Mac-Adresse. Übermittelt wird sie an einen sogenannten Tanic-Server. Das Kürzel Tanic steht dabei für „Transport“, „Adressen“, „Namen“ sowie „Information-Center“ und ist die Weiterentwicklung einer patentierten Dako-Technologie, die dank hoher Sicherheitsstandards bereits seit mehr als 20 Jahren in Banken zum Einsatz kommt. Haben sich Sender und Empfänger über den Tanic-Server autorisiert, findet die direkte Datenübertragung über die Orasi-Software statt. Laut Joachim Becker gehen so Bits und Bytes bis zu 20-mal schneller durchs Netz. Da keine internationalen Zwischenspeicher (Clouds) von Google oder Microsoft passiert werden müssen, könnten Daten unterwegs nicht gestohlen werden. Das mache Orasi schnell und sicher, es brauche wenig Ressourcen und sei einfach zu bedienen. Für zeit-, orts- und geräteunabhängige Transfers und Emails entwickelt Dako eigene Relais- oder Cloudserver, die bei hohem Sicherheitsinteresse vor Ort beim Nutzer installiert werden. Geld verdient Dako bisher mit Eigenentwicklungen zur Zugangskontrolle, Zeiterfassung und Sicherheit in Gebäuden, mit Tacho-Stationen für das Lkw-Management oder mit digitalen Archivsystemen. Teile davon hat der Senior an seinen Sohn übergeben. Mit Orasi trete er quasi als neue Startup-Firma an. Derzeit stellt Beckers Mannschaft das System deutschlandweit vor. Potentielle Nutzer seien Versicherungen, Polizei, Banken, Sicherheitsdienste, Behörden, Gerichte oder Rechtsanwälte, aber auch Baufirmen und Architekten, die schnell große Datenmengen in Form von Bauzeichnungen auf der Baustelle verfügbar machen wollen. Erste positive Rückmeldungen gebe es bereits. Die Brandenburger Polizei will Orasi in der Praxis testen. Auch bei THW und Feuerwehr stoße er auf offene Ohren. Perspektivisch will Becker Branchenriesen wie Dropbox angreifen. „Orasi ist besser und preiswerter“, versichert der Jenaer siegessicher.

Hanno Müller / 13.09.18


OTZ Ausgabe 13.09.2018